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Inhaltsangabe: Die Küchenuhr von Wolfgang Borchert

Die Küchenuhr von Wolfgang Borchert

“Die Küchenuhr” ist eine der Kurzgeschichten, an der kein Schüler vorbeikommt. Wolfgang Borchert gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern, wenn es um die Kurzgeschichte ab 1947 geht. In Buchform hat er “Die Küchenuhr” in seiner zweiten Prosasammlung “An diesem Dienstag” 1947 veröffentlicht. Worum es in der Küchenuhr geht und auf was du bei der Inhaltsangabe und Interpretation dieser Kurzgeschichte achten solltest, erfährst du in dem folgenden Beitrag.

Worum geht es in “Die Küchenuhr” von Wolfgang Borchert?

In “Die Küchenuhr” schreibt Wolfgang Borchert über einen jungen Mann, der durch einen Bombenangriff seine Eltern und sein Heim verliert. Zurückgeblieben ist eine Küchenuhr, die ihn an seine fürsorgliche Mutter und die Idylle des Familienlebens erinnert. Zu Recht gehört die Küchenuhr zu den bekanntesten Werken aus der Feder von Wolfgang Borchert, der mit diesem Text ein typisches Beispiel für die Trümmerliteratur liefert. Bring diese Informationen in der Einleitung der Interpretation unter. Dann gelingt ein perfekter Start.

 Die Einleitung zur Interpretation der Küchenuhr:

  • Titel: “Die Küchenuhr”
  • Autor: Wolfgang Borchert
  • Genre: Kurzgeschichte/ Prosa
  • Literaturepoche: Trümmerliteratur
  • Thema: Ein Junge verliert bei einem Bombenangriff seine Familie und sein Heim. Durch die Küchenuhr erinnert er sich an das Familienleben.

Inhaltsangabe: “Die Küchenuhr” von Wolfgang Borchert

Ein 20-jähriger Mann, der schon recht alt aussieht, setzt sich zu Fremden auf eine Bank. Er zeigt den Leuten seine Küchenuhr, die nicht besonders wertvoll ist. Er hat die Uhr aus seinem Elternhaus mitgenommen, das vom Krieg zerstört wurde. Sie wirkt von außen heil, funktioniert aber nicht mehr. Der Zeiger steht auf halb drei. Darauf reagiert der junge Mann erfreut.

Einer der Leute vermutet, der Bombendruck hat zum Stillstand der Uhr geführt. Er liegt aber falsch. Die Uhrzeit hat eine andere Bedeutung. Als sich die Leute abwenden, spricht der Mann weiter zur Uhr. Halb drei kam der junge Mann früher nach Hause. Seine Mutter ist für extra ihn aufgestanden und hat ihn umsorgt. Damals sah er diese Hingabe als Selbstverständlichkeit an. Heute weiß er, dass er im Paradies lebte.

Die fremden Leute um den jungen Mann reagieren verlegen. Sie wenden ihre Blicke ab. Keiner traut sich, den Mann anzusehen. Nur eine Frau fragt ihn nach seiner Familie und er gesteht darauf, dass er all seinen Besitz verloren hat.

Interpretation “Die Küchenuhr” von Wolfgang Borchert

Die Küchenuhr gehört zur Trümmerliteratur. Eines der Charakteristika ist die schnörkellose und nüchterne Sprache und die Wiederholungen, wie halb drei, Paradies oder übrig geblieben. Der Text ist kurz und verwendet eine eindringliche Sprache. Zugleich geht eine erschütternde Wirkung von den schweigenden und teilnahmslosen Personen aus.

Eine besondere Bedeutung hat die Küchenuhr, die von außen gesehen einen intakten Eindruck macht, aber innerlich vollkommen zerstört ist. Dieser Zustand lässt sich auf die Menschen übertragen, die den Krieg äußerlich überlebt haben, aber innerlich zerrissen und zerstört sind.

Was bedeutet “Die Küchenuhr”?

Von zentraler Bedeutung ist das Bild der Küchenuhr. Ihr ideeller Wert steht über der gegenständlichen Bedeutung einer kaputten Uhr. Die Bedeutung für den jungen Mann wird in den häufigen Wiederholungen und der wiederholten Nennung innerhalb der Kurzgeschichte immer deutlicher. Eigentlich ist die Küchenuhr unbrauchbar, was eine andere Wirklichkeit eröffnet. Sie ist ein Erinnerungsstück und ein Symbol, das in Verbindung mit der heilen Zeit, dem Paradies und der Familie steht.

Wie interpretiere ich das Paradies?

Über “Die Küchenuhr” geht es zum zweiten Symbol: Paradies. Der junge Mann bezeichnet damit einen Zustand in der Vergangenheit, den er durch das Stehenbleiben der Uhr konserviert. Um diesen Zeitpunkt, halb drei in der Nacht, fand etwas statt, dass er als selbstverständlich empfand und heute so vermisst. Vielleicht steht das Paradies für das Symbol für Menschlichkeit, die der Krieg zerstört hat. Jegliches Beisammensein in der Nacht wird zum paradiesischen Zustand erhoben.

Sprachliche Interpretation und Formanalye

Für Borcherts Kurzgeschichten typisch ist die Alltagssprache und ein nachlässiger, trümmerhafter Satzbau. Er verwendet häufig dialektische Verknüpfungen und Gegensätze. Sprachliche Wendungen treten wiederholt auf und erlauben uns einen Einblick in das Innenleben der Figuren. Die schlichten, kurzen Sätze stehen im Fokus. Borchert schreibt in direkter Rede ohne Anführungszeichen.

Borchert führt seine Personen unvermittelt mit Pronomina und nicht mit Namen ein. Sie entwickeln zum Ende der Kurzgeschichte keine individuelle Persönlichkeit, sondern bleiben allgemeine Typen. Diese Schreibweise behält Borchert in den anderen bekannten Kurzgeschichten bei, wie “Das Brot”, “Die Kirschen” und “Draußen vor der Tür”.

Die Merkmale der Kurzgeschichte in die Küchenuhr:

  • “Sie sahen ihn schon von Weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf.” Der unvermittelte Einstieg ist ein wichtiges Merkmal der Kurzgeschichte. Der Leser muss sich erst einmal selbst zurechtfinden.
  • Einer sah auf seine Schuhe und die Frau sah in ihren Kinderwagen.” Die Personen sind nicht detailliert beschrieben, sondern nur durch ihren Rede-Anteil charakterisiert.
  • Borchert nennt keine Namen. Er verleiht den Personen Allgemeingültigkeit. Der Leser kann sich in die Charaktere hineinversetzen.
  • Offener Schluss: Der Schluss erlaubt eigene Interpretationen und Deutungen. Jeder Leser kann seine eigene Fortsetzung weiterdenken.
  • Alltagssprache: In der Kurzgeschichte verwenden die Autoren einen schlichten und sachlichen Stil sowie kurze Sätze.

Charakterisierung der Hauptpersonen in “Die Küchenuhr”

Ein junger Mann ist 20 Jahre alt und hat eine Besonderheit: “ein ganz altes Gesicht“. Durch einen Bombenangriff hat er seine Familie und sein Heim verloren. Die Küchenuhr hat für ihn eine große Bedeutung. Scheinbar ist der junge Mann psychisch zerstört und zerrüttet, denn er wiederholt immer wieder dieselben Sätze und lächelt an Stellen, die unpassend sind. Ihm gelingt es kaum, die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen. Er spricht mit der Küchenuhr wie mit einer Person: “Dann nickte er seiner Uhr zu: Dann hatte ich natürlich Hunger, nicht wahr?” Die Küchenuhr ist das Letzte, was ihm von seiner Familie geblieben ist. Er behandelt sie wie ein lieb gewonnenes Familienmitglied.

Borchert beschreibt den jungen Mann gegensätzlich: Jung in seinem Gang, besitzt er ein altes Gesicht. Diesen Widerspruch zeigt der Mann auch in seinem Verhalten und in seinem Reden. Er steht durch den Tod seiner Eltern unter Schock. Er fällt aus der Norm und sucht nach einem Weg, die Welt in Ordnung zu bringen. Dennoch hat die Hölle des Kriegs seine Vorstellung vom Paradies zerstört.

Wie entstand “Die Küchenuhr”?

Wolfgang Borchert hat diese Kurzgeschichte zu Beginn des Jahres 1947 geschrieben. Zum damaligen Zeitpunkt war der Schriftsteller bereits schwer krank und bettlägerig. Dutzende von Kurzgeschichten schrieb Borchert noch im Krankenhaus. Im Alter von 26 Jahren verstarb Borchert im Basler Spital. Zur Veröffentlichung der Küchenuhr kam es am 27. August 1947 in der Hamburger Allgemeinen Zeitung. 1949 nahm der Rowohlt Verlag die Küchenuhr in das Gesamtwerk von Wolfgang Borchert auf, der diese Kurzgeschichte in der zweiten Prosasammlung “An diesem Dienstag” veröffentlichte.