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Literaturepochen – Übersicht der Epochen der Literatur

Literaturepochen

Das geschriebene Wort und das Buch sind seit Menschengedenken eines der wichtigsten Kulturgüter, die eine Gesellschaft, ihre Wünsche und Träume verkörpern. Nimm dir etwas Zeit und erfahre mehr über die Literaturepochen. Ich erkläre die wichtigsten Merkmale der Literaturepochen und liefere am Ende eine Übersicht über die Epochen für den Deutschunterricht.

Was ist eine Literaturepoche im Deutschen?

Eine Literaturepoche definiert einen Zeitabschnitt, der durch ein bestimmtes Denken und Handeln charakterisiert ist. In einer Literaturepochen vereinen sich formale und stilistische Eigenschaften der Sprache, die Geschichte, die Probleme und die Ideen, die die Menschen von damals bewegten. Eine Literaturepoche endet nicht von einem auf den anderen Tag. Sie markiert Epochenschwellen und Trennereignisse in der deutschen Literaturgeschichte.

Je nachdem wie wir die Erkenntnisse und Schreibstile sortieren, können wir unterschiedliche Epochen und literarische Bewegungen entdecken. Dabei spielen Personen, Werturteile, Politikgeschichte, Religion und Kunstgeschichte eine ausschlaggebende Rolle.

Lass uns beginnen mit der deutschen Literaturgeschichte!

Auch wenn es Literatur seit dem ersten geschriebenen Wort gibt, setzen wir im Mittelalter an. Schließlich markiert die erste Überlieferung einen wissenschaftlichen Beleg, der zugleich Beweise für eine bestimmte literarische Strömung beliefert.

Was ist Literatur? Die Antwort auf diese Frage fällt mir gar nicht so einfach. Literatur hat etwas mit Lesen und Schreiben zu tun. Laut Lexikon bezeichnet Literatur die Gesamtheit von allem, was schriftlich aufgezeichnet wurde. Doch ist dann das Gedicht, das nicht geschrieben, aber gesprochen und überliefert ist, keine Literatur? Ihr seht, wo der Hase im Pfeffer liegt. Literatur ist davon abhängig, für was wir sie benutzen und was sie erreichen soll. An dieser Stelle wichtig: Literatur können wir nach Epochen einteilen.

Literaturepochen Deutsch PDF (Credits: MWM Media)

Mittelalter: 750-1470

Die Gesellschaft und damit auch ihre Literatur prägte im Mittelalter vor allen Dingen die Kirche. Das religiöse Weltbild und das Ritter tun versammelten sich um den Hofstaat, der das Zentrum für das gesellschaftliche Leben darstellte. Das literarische Dreieck bewegt sich im Mittelalter um den Hof, den Ritter und die Frau. Minnesänger und Dichter widmen sich in blumiger Lyrik der Hingabe, der lieber und dem Dienst am Hof. Mit dem Verlust der alleinigen Machtstellung der Könige, stieg das Interesse an den Höfen und Städten als neues Bildungszentrum. Zugleich wüteten im Spätmittelalter schlimmere Pestepidemien in Europa.

Das Wichtigste zur Literaturepoche Mittelalter:

  • Mündliche Überlieferung von Volksliedern, Märchen und Erzählungen
  • höfische Literatur und kirchliche Literatur
  • Adel finanzierte den Minnegesang = gesungene Liebesdichtung
  • Individuum spielt keine Rolle
  • traditionelle Themen und Formen haben Vorrang
  • Lyrik und Prosa invers und Reinform
  • Kampf von Gut und böse

Humanismus und Renaissance: 1470-1600

Mit der Entdeckung Amerikas veränderte sich auch die Weltanschauung der Menschen. Fundamentaler astronomische Erkenntnisse machten den Weg für ein neues Weltbild frei. Zugleich wurde die Bibel in der Reformation übersetzt und ging einher mit der Einführung von Gutenbergs Bibeldruck.

Das Wichtigste zur Literaturepoche Renaissance:

  • Die meisten literarischen Werke entstanden im Humanismus
  • Geistige Strömung im 15. und 16. Jahrhundert
  • Entfaltung geistiger Freiheiten
  • Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg
  • 1458 erste Druckerei in Strasbourg
  • Dramatische Werke und antike Vorbilder
  • Tapfere Ritterromane,Heldengeschichten und Volksbuch in der Epik
  • Volkstümliche Legenden und Sagen
  • Volkslied und Meistergesang in der Lyrik

Aufklärung und Empfindsamkeit: 1720-1790

Im Zeitalter der Aufklärung besteht Deutschland aus mehr als 300 Einzelstaaten. Die Fürsten pflegen am Hof den puren Luxus auf Kosten der gemeinen Bevölkerung. Das führt zu Aufständen und Unruhen im breiten Volk. Diese Thematik schlägt sich auch in der Literatur nieder.

Das Wichtigste zur Literaturepoche der Aufklärung:

  • Unabhängige, freier Schriftsteller in literarischer Öffentlichkeit
  • Emanzipation und Forschung als Basis für demokratisches Gedankengut
  • Bürgerliches Drama und bürgerliches Trauerspiel
  • Bürgertum darf auf die Bühne: Bürgerliche Tugenden
  • Parabel und Fabel wollen Leser moralisch belehren
  • Bürgerlicher Roman in der Epik
  • Formenvielfalt in der Lyrik: Hymnen und gefühlsstarke Oden, Lehrgedichte und Gedanken-Lyrik
  • Sozialkritische Tendenzen: Bürgertum strebt zu geistiger Freiheit

Das Wichtigste zur Literaturepoche der Empfindsamkeit:

  • Empfindsamkeit als Strömungen in der Aufklärung
  • Rationales Denken mit gefühlsbetonter Ausdrucksform
  • Persönliche Auseinandersetzung mit Gott
  • Zentrale Themen: Naturnähe und Freundschaft

Sturm und Drang: 1765-1785

Die Jugend Protestbewegung gegen die reichen Fürsten bewegen auch die Schriftsteller im Sturm und Drang. Die Menschen kämpfen für Gerechtigkeit und sind bereit dafür alles zu geben.

Das Wichtigste zur Literaturepoche Sturm und Drang:

  • Gefühlsausbrüche und leidenschaftliche Sprache
  • Protagonist öffnet Gefühle und Empfindungen für Leser
  • Junge, freie Poeten erobern die Literatur
  • Gefeiertes Original-Genie in individueller künstlerischer Form
  • Tragisches Heldentum
  • Gedankenfreiheit und Selbstentfaltung
  • Menschen voller Tatendrang und Empfindungen
  • Gesellschaftliche Kritik am Feudalismus, Überwindung alter Strukturen
  • Genre: Drama

Weimarer Klassik: 1786-1805

Die Französische Revolution und Napoleons Herrschaft haben in der Weimarer Klassik einen enormen Einfluss. Reformen, die Bauernbefreiung, Gewerbefreiheit, die Emanzipation der Juden und die Bildungsreform schlagen sich auch in der Literatur nieder. Mit der Niederlage Napoleons selbst auch ein Umdenken in den Menschen ein.

Merkmale der Literaturepoche Weimarer Klassik:

  • Französische Revolution in Dichtung und Literatur
  • Autoren aus Jena und Weimar schreiben über die Ereignisse
  • Das Ideal ist die schöne Seele
  • Inhalte: Menschlichkeit, Schönheit, Toleranz, Selbstbestimmung und Harmonie
  • Einheit der geordneten Sprache
  • Kurze und allgemeingültige Aussagen in Sentenzen
  • Häufigste Gattung: Drama
Pixabay @Gellinger | Bücher

Romantik und Biedermeier: 1739-1848

In der Romantik waren die Bücher zur Wissensvermittlung und zur Unterhaltung da. Wichtige gesellschaftliche Ereignisse waren der Wiener Kongress 1815 sowie der Deutsche Bund 1815. Diese Literaturepoche ist geprägt durch einige gesellschaftliche Umbrüche wie die Zensur, die Verbote der Burschenschaften und die Spitzel. Mit der Märzrevolution 1848 begann das Zeitalter der Industrialisierung.

Merkmale der Literaturepoche Romantik:

  • Themenschwerpunkte: Leidenschaft, Gefühle, Individualität, Seele
  • Schauplätze: Friedhöfe, Natur, Landschaften und Ruinen
  • Einsatz psychischer, unterbewusster Elemente
  • Ablehnung der Industrialisierung und der Wissenschaft
  • Kritik am Selbstbild des Menschen
  • Offene Form, Improvisation, kein Schema, Gegenteil strenger Normen
  • Lieder, Szenen in Romanen und Gedichte

Realismus: 1850-1890

Mit der Industrialisierung kam es zu Einigungskriegen. Wilhelm I wurde Kaiser eines neuen Reichs. Er führte die Sozialgesetze ein und wollte das soziale Ungleichgewicht beseitigen. 1888 wechselte der Kaiser und damit auch die Politik.

Merkmale der Literaturepoche Realismus:

  • Abkehr von gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen
  • Im Mittelpunkt steht der Mensch und seine Zusammenhänge
  • Hauptpersonen: Handwerker, Kaufleute und Bauern
  • Kommentarlose Darstellung der Auswirkung der Gesellschaft auf den Menschen
  • Drama und Ballade mit Rahmenhandlung
  • Objektiver Erzähler
  • Poetischer Realismus in Deutschland
  • Distanz zu Schilderungen: Ironie und Humor

Autoren im Realismus: Theodor Storm, Wilhelm Rabe, Friedrich Hebbel, Wilhelm Busch, Theodor Fontane, Franz Grillparzer, Gottfried Keller, Emanuel Geibel

Naturalismus, Impressionismus und Moderne: 1880-1920

Die Industrialisierung bringt Entwicklungen für die Wissenschaft mit sich. Mit Bismarcks Machtübernahme stabilisierte sich auch das politische Gewicht in Europa. Das gesellschaftliche Gefüge der Menschen veränderte sich und damit auch ihr Lebensstil. Der Imperialismus überschwappte die Welt. Bismarcks Dynastie endete 1890 und der Erste Weltkrieg hielt die Menschheit von 1914 an für vier Jahre in Atem.

Merkmale der Literaturepoche Naturalismus:

  • Naturalismus eng an den Realismus geknüpft
  • Ungeschminkte Abbildung der Wirklichkeit
  • Zahlreiche Erfindungen und Entdeckungen zur damaligen Zeit
  • Urbane Lebensweise: Soziale Kritik
  • Pessimistische Einstellung
  • Protest gegen Missstände
  • Mischung aus Großstadtlyrik und sozialer Lyrik
  • Dialekt aus sozialem Milieu im Drama
  • Sekundenstil als exakte Beschreibung der Wirklichkeit: Dialoge und personale Erzählweisen

Merkmale der Literaturepoche Impressionismus:

  • Subjektive Eindrücke und Empfindungen beschreiben
  • Betonung liegt auf der Vergänglichkeit der äußeren Umstände
  • Wendung gegen die Naturalisten
  • Keine eigene Programmatik und keine literarischen Gruppen
  • Kaum Kontakt untereinander
  • Keine Vermischung der literarischen Ziele

Autoren des Impressionismus: Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Max Dauthendey, Marcel Proust, Arthur Rimbaud, Stefan George, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal

Expressionismus, Avantgarde und Dadaismus: 1910-1925

Erst mit dem Versailler Vertrag und der Weimarer Republik veränderte sich die recht trübsinnige Literatur des Ersten Weltkrieges. Gleichzeitig nahm das Leid in der Bevölkerung zu. Zudem entwickelte sich eine zunehmende Urbanisierung. Gemeint ist damit die Verstädterung. Thematisiert wurde im Expressionismus die Anonymität der einzelnen.

Weimarer Republik und Neue Sachlichkeit: 1918-1933

Diese Literaturepoche ist gekennzeichnet durch Krisenjahre gefolgt von den goldenen Zwanzigern. Die Literatur, die Musik und der Film erfahren maßgebliche Veränderungen. Mit der Weltwirtschaftskrise stand aber auch die Literatur der Menschen auf dem Spiel.

Nationalsozialismus, Exilliteratur und Emigration: 1933-1945

Mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 sah die Literatur ihrem Untergang entgegen. Bücherverbrennungen zählen nur zu einem der schlimmsten menschlichen Verbrechen der Menschheitsgeschichte. In dieser Zeit zerstörten Hitler und sein Regime einen großen Teil der Weltliteratur. Mit den Nürnberger Gesetzen kam es zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Dieser Literaturepoche ist geprägt durch Propaganda und die erschütternden Erfahrungen der Menschen.

Trümmerliteratur und nach Kriegsliteratur: 1945-1960

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Kapitulation von Deutschland markierte auch in der Literaturgeschichte einen Umbruch. Deutschland besteht nun aus vier Besatzungszonen und wenig später aus der BRD und der DDR. Die Menschen stehen mit nichts in den Händen der und thematisieren dieses schwere Schicksal in der Literatur. In der BRD ist auch von der Ankunftsliteratur oder der Aufbauliteratur die Rede.

Postmoderne, Subjektivität und Gegenwartsliteratur: Seit 1980

Eine weitere drastische Veränderung innerhalb der Literaturgeschichte markiert der Mauerfall 1989. Das Ende des kalten Krieges und der Zusammenbruch des Ostblocks entfachen ein vollkommen neues freiheitliches Gefühl. Die Autoren verstecken sich nicht mehr vor dem politischen System und können ihren Gedanken freien Lauf lassen.

Du wünschst dir mehr über die Literaturepochen in Deutsch? Das PDF und diese Übersicht helfen dir auch die Sprünge.